Sonntag, 31. August 2008

Sans griesst!



Gut möglich, dass die Besucher auf der „Insel der Information“ in Second Life in etwa so begrüsst werden. Denn mit dieser Insel hat sich die Bayerische Staatsbibliothek (BSB) ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk gemacht: Zum 450. Jubiläum hat sich die BSB nämlich in der virtuellen Welt niedergelassen. Avatare können hier einen nahezu originalgetreuen Nachbau des über 160 Jahre alten Bibliotheksgebäudes bestaunen. Und nicht nur die Fassade ist imposant, auch im Inneren des virtuellen Bauwerks gibt es einige eindrückliche Highlights. So kann man beispielsweise im Fürstensaal in historischen Druckwerken und Handschriften blättern, oder in einer Ausstellung die „bewegte Geschichte der Staatsbibliothek seit ihrer Gründung 1558“ nachverfolgen.

Als „Ort der Kommunikation und Begegnung“ bietet die virtuelle Präsenz der BSB aber auch ein Tagungs- und Konferenzzentrum für virtuelle Fach- und Infoveranstaltungen. Momentan wird gerade auf zwei Vorträge hingewiesen, die ich euch nicht vorenthalten möchte: Am 3. September 2008 um 18.00 Uhr (CET) referiert Hildegard Ethaniel (Dr. Hildegard Schäffler) zum Thema „Licensing Digital Resources on a National Basis: The Case Of Germany“, und am 26. November 2008 um die gleiche Zeit weiht Bettina Ethaniel (Dr. Bettina Wagner) in das „Second Life of Incunabula“ ein (für alle, die sich jetzt vielleicht fragen, was Incunabula sein soll: Nein, das ist keine exotische Sim in Second Life. Unter Inkunabeln versteht man Druckerzeugnisse aus den Frühzeiten des Buchdrucks;).

Und auch die virtuelle Präsenzzeit, die, wie wir kürzlich festgestellt haben (siehe unseren Beitrag), so wichtig ist für einen gelungenen SL-Auftritt, nimmt sich die BSB zu Herzen: Jeweils dienstags und donnerstags von 15.00 bis 17.00 Uhr (CET) beantworten die virtuellen Mitarbeiter den Besuchern ihre Fragen rund um die Bayerische Staatsbibliothek, und stehen auch für eine kleine Sight-Seeing-Tour durch die weiten Flure der BSB zur Verfügung.

Auf der Insel der Information kommen die Besucher also nicht nur literarisch, sondern auch architektonisch und bildungsmässig auf ihre Kosten. Da soll noch einer behaupten, Bibliotheken hätten nur verstaubte Bücher zu bieten …

Hier geht’s zur Bayerischen Staatsbibliothek auf der Insel der Information:
> Teleport

Montag, 25. August 2008

Auf der Suche nach der SL-Olympiade



Zwei Wochen lang haben wir in Real Life mit unseren Sportlern mitgefiebert, gebangt und gehofft. Irgendwann in dem ganzen Trubel hab ich mich natürlich gefragt, was denn in Second Life so los ist, wenn die Olympiade stattfindet. Ob es wohl virtuelle Spiele gibt?

Also nichts wie los und die Suchfunktion öffnen, den Suchbegriff „Olympic“ eingeben (man muss sich ja so viele Optionen wie möglich offen lassen) und Enter drücken. Sage und schreibe 15 (!) Resultate erhalte ich darauf. Na gut, denk ich mir, die Auswahl ist zwar klein, dafür aber vielleicht fein, und mache mich auf zur ersten Destination.

China. Klingt doch eigentlich ganz vielversprechend, und auch die olympischen Ringe lassen nicht lange auf sich warten. Und auch schöne Bilder von Medaillen, dem olympischen Feuer und dem „Bird’s Nest“ finden sich. Doch dabei bleibt's dann leider auch. Weit und breit keine Spur einer Veranstaltung oder ähnlichem. Nicht mal ein Link auf die offizielle Homepage. Schade, aber vielleicht hab ich ja im Beijing Pub, der nächsten Destination, mehr Glück. Doch auch hier Fehlanzeige. Nicht mal die olympischen Ringe finden sich hier. Ausser dem Namen scheint hier nichts an Beijing zu erinnern. Natürlich gebe ich nicht auf, und teleportiere mich guten Mutes zur nächsten Destination.

Hier empfängt mich ein überdimensional grosser Pinguin, doch von Olympia auch hier weit und breit keine Spur, zumal ich auch Mühe habe, die Chinesischen Schriftzeichen zu entziffern. Doch so leicht haut mich das ja nicht um. Die nächste Station finde ich eher amüsant denn olympisch, denn hier finde ich folgendes: „Olympics shirts Beijing 2008 sale is now on with discount, all 50 LD. Come and take your chance.“ Im Grunde genommen also nichts weiter als ein weiterer Sommerausverkauf. Und auch Beijing, die verbotene Stadt, macht nur Werbung mit den Olympischen Spielen: “You can get the experience of being emperor or empress of China, and not to wait to see it in 2008 Olympic Games.”

Mir reicht’s, und ich breche meine Suche nach den Olympischen Spielen in Second Life ein wenig enttäuscht ab. Es sieht so aus, als sei Olympia noch nicht in der virtuellen Welt angekommen. Ausser einigen Trittbrettfahrern, die mit ihrer SIM etwas Traffic generieren wollen, gibt es - leider - nichts Olympisches zu sehen.

Sonntag, 17. August 2008

Die Hauptrolle spielt der Resident



Obwohl Second Life erst seit 2003 online ist, hat die virtuelle Welt bereits eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich. War sie erst Spielplatz für Gamer und Computerfreaks, wurde daraus im 2006/2007 durch den massenmedialen Hype vermehrt ein Tummelplatz für Eintags-Avatare und Journalisten. Doch genauso schnell wie Second Life zum Marketingkanal der Zukunft hochgejubelt und von übermotivierten „First Movern“ buchstäblich überschwemmt wurde, folgte die Ernüchterung: Die Besucher und somit die erhofften finanziellen Erfolge blieben aus, und einige Unternehmen zogen sich enttäuscht aus Second Life zurück.

Diejenigen Unternehmen, die in Second Life verbleiben sind (und die meisten derjenigen, die nach dem medialen Untergang von Second Life dennoch den Schritt in die virtuelle Welt gewagt haben) scheinen das Prinzip verstanden zu haben: ein erfolgreicher Second Life-Auftritt hängt meist nicht mit dem erwirtschafteten Gewinn zusammen, sondern beruht vielmehr auf der Akzeptanz durch die Second Life-Community. Diese Erkenntnis hat heute auch Einzug in die PR-Literatur gehalten. So schreibt Melanie Huber in ihrem Buch Kommunikation im Web 2.0:„Viele Firmen haben erkannt, dass es zwar kurzzeitig PR und Aufmerksamkeit bringt, eine Pressekonferenz im Second Life abzuhalten oder für ein neues PKW-Modell einen Showroom einzurichten, doch Umsatzsteigerungen bleiben meist aus“. Dazu kommt, dass die Ansprüche der Residents seit den Anfängen kontinuierlich gestiegen sind, und auch in der virtuellen Welt Professionalität von Unternehmen erwartet wird. Als einen der wichtigsten Faktoren hierfür nennt Huber die kontinuierliche Präsenz, wie wir sie beispielsweise in unserem Raumschiff zeigen. Es reicht also längst nicht mehr aus, eine virtuelle Niederlassung in Second Life zu errichten und diese sich selbst zu überlassen. Mit der Psychologie der neuen Online-Medien, wozu unter anderem eben auch die Community-Bildung in Second Life gehört, setzt sich unter anderem auch Annette Kielholz in ihrem Buch "Online-Kommunikation. Die Psychologie der neuen Medien für die Berufspraxis" auseinander.

Wem diese neuen Erkenntnisse noch nicht reichen, der kann mittlerweile auch auf einige Schweizer Studien, die sich direkt oder indirekt mit dem Thema Second Life befassen, zurückgreifen. Um nur mal zwei zu nennen: In der maz/Bernet-Studie Umgang von Schweizer Unternehmen und Organisationen mit dem Social Web erfährt man unter anderem, wie Schweizer Unternehmen zum Web 2.0 im Allgemeinen und Second Life im Speziellen stehen. Eine Studie zur Avatarkreation in Second Life hat die Universität Luzern im September 2007 lanciert und spannende Ergebnisse zu Tage gefördert.

Zugegeben, es hat ein Weilchen gedauert, aber ich habe das Gefühl, dass die Marketing- und PR-Profis langsam aber sicher erkannt haben, was Second Life ist: Eine virtuelle Welt, in der die Residents die Hauptrolle spielen - eigentlich genau, wie in RL auch - ausser, dass man hier anstelle von Residents, von Kunden spricht!

Donnerstag, 7. August 2008

Second Style - First choice für SL-Mode



Wir haben ja bereits alles Mögliche vorgestellt, was es in Second Life an Lektüre gibt. Da wären Newsmagazine, Boulevard-Zeitungen, RLSL-Zeitschriften, usw. Ein grosser Wirtschaftszweig in Second Life, über den wir bis heute noch nicht berichtet haben (das aber hiermit schleunigst nachholen) ist die Mode. Schliesslich müssen die 5'173'515'776 Linden Dollar, die sich momentan in Second Life in Umlauf befinden, irgendwie ausgegeben werden. Und meiner persönlichen Einschätzung nach, dürfte ein nicht gerade geringer Teil dafür auf Klamotten und Accessoires entfallen. Deshalb habe ich mir eines der bekanntesten Modemagazine in Second Life, das englische „Second Style“, ein wenig genauer angeschaut.
Von der Aufmachung her kann das Magazin durchaus mit seinen Real Life-Pendants mithalten. 74 Seiten (aktuelle Ausgabe) prall gefüllt mit virtueller Haute Couture lassen die Herzen modebewusster Avatare höher schlagen. Könnte man meinen. Denn wenn ich mich nicht verzählt haben, bestehen tatsächlich 30 der 74 Seiten Second Style aus Werbung, sprich Anzeigen. Wenn man bedenkt, für welchen Preis ein Inserat zu haben ist (2’500 bis 21'000 Linden, den Premium Placement-Zuschlag für die ersten 20 Seiten von 10'000 Linden nicht mitgerechnet), kommt da ganz schön was zusammen. Aber es scheint sich für die Werbenden auszuzahlen, denn gemäss eigenen Angaben erreicht Second Style pro Ausgabe ca. 25'000 Avatare.
Die spärlichen redaktionellen Beiträge widmen sich allesamt den neusten Trends, Designern und Veranstaltungen in Sachen Mode. Somit ist Second Style vielleicht nicht unbedingt die Lektüre erster Wahl für Leseratten, den Claim „The best of Second Life clothing, hair, skins, accessories, and more“ löst das Magazin aber auf jeden Fall ein.

Hier geht’s zur Redaktion vom Second Style Magazin in Second Life:
http://slurl.com/secondlife/Green/60/98/23

Montag, 4. August 2008

Virtuelle Schwangerschaft?



Als extraterrestrisches Wesen habe ich ja sowieso keine Berührungsängste, wenn es um innovative Reproduktionstechniken geht. Entsprechend gross ist mein Interesse an den technischen Möglichkeiten. Aus diesem Grund habe ich mich mal in SL umgesehen, was sich da so machen lässt, wenn Frau und Mann die Nachwuchsplanung in Betracht ziehen. Eines vorweg: In der virtuellen Welt braucht man sich weder um den richtigen Zeitpunkt nach dem Eisprung noch um die in der Krise steckende Spermienqualität des Mannes zu kümmern. Der Zeugungsakt folgt quasi der KISS-Formel – keep it simple and stupid! Ein Script genügt und schon ist die Empfängnis auf ganz unbefleckte Weise erledigt. Keine Invitro-Fertilisation! Kein jahrelanges Hoffen und Bangen! Ein Klick genügt.

Ich wollte es genauer wissen, was es mit einer Schwangerschaft in Second Life auf sich hat und habe deshalb die „Babyklinik Klapperstorch“ besucht. Diese wird von Stefanie Spitteler geführt. Schon über 70 Babies sind hier auf die Welt gekommen. Natürlich wollte ich zuerst einmal wissen, aus welchen Gründen ein Avatar schwanger werden möchte. „Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, warum eine Schwangerschaft in SL in Erwägung gezogen wird. Viele sind gleichzeitig in RL schwanger und wollen dieses Erlebnis auch in SL transferieren.“ Andere hätten vielleicht einen unerfüllten Kinderwunsch im richtigen Leben und möchten diese Erfahrung einfach in SL nachempfinden. Heisst dies, dass die Familie in SL auf dem Vormarsch ist? Fertig mit dem Ego-Avataren-Leben?

So wird in einer anderen SL-Klinik auf das Angebot hingewiesen:„One if the most exciting and intimate aspects of pregnancy in SL is the conception. This allows your partner to actively participate in the process, to feel more involved, to share in the experience, and provides lots of opportunities for RP. There is the tension of approaching ovulation and the added intimacy, giving, and love of being together during your fertile time. And then the drama and tension of waiting to see if it took or you will be experiencing it all again the next month. Lots of opportunities for love and sharing.“

Eine virtuelle Schwangerschaft wird so real wie möglich konstruiert: So gibt es periodische Ultraschall-Untersuchungen, Schwangerschafts-Gymnastik, Umstandsmode und Beratungskurse für werdende Mütter und Väter. Der Bauch wächst Woche für Woche (dank Scripting-Technologie kein Problem). Die Schwangeren können zwischen Gebärstuhl oder Wassergeburt auswählen. Mit dabei sind immer ein Arzt und eine Hebamme. Komplikationen sind ausgeschlossen. Und natürlich kann zwischen verschiedenen Baby-Prototypen und Sprachvarianten ausgewählt werden. „Get your custommade baby!“ könnte also über einer solchen Kinderklinik stehen. Und ganz gratis ist der Baby-Spass übrigens auch nicht. So muss man um die 6‘000.- L$ für ein Komplettpaket (Schwangerschaft, Untersuchungen, Baby) hinblättern, je nach individuellen Wünschen.

Übrigens: In Second Life können auch Männer problemlos schwanger werden. So hat die Kinderklinik Klapperstorch schon zwei Männern zu ihrem Glück verholfen. Natürlich per Kaiserschnitt.