Montag, 4. August 2008

Virtuelle Schwangerschaft?



Als extraterrestrisches Wesen habe ich ja sowieso keine Berührungsängste, wenn es um innovative Reproduktionstechniken geht. Entsprechend gross ist mein Interesse an den technischen Möglichkeiten. Aus diesem Grund habe ich mich mal in SL umgesehen, was sich da so machen lässt, wenn Frau und Mann die Nachwuchsplanung in Betracht ziehen. Eines vorweg: In der virtuellen Welt braucht man sich weder um den richtigen Zeitpunkt nach dem Eisprung noch um die in der Krise steckende Spermienqualität des Mannes zu kümmern. Der Zeugungsakt folgt quasi der KISS-Formel – keep it simple and stupid! Ein Script genügt und schon ist die Empfängnis auf ganz unbefleckte Weise erledigt. Keine Invitro-Fertilisation! Kein jahrelanges Hoffen und Bangen! Ein Klick genügt.

Ich wollte es genauer wissen, was es mit einer Schwangerschaft in Second Life auf sich hat und habe deshalb die „Babyklinik Klapperstorch“ besucht. Diese wird von Stefanie Spitteler geführt. Schon über 70 Babies sind hier auf die Welt gekommen. Natürlich wollte ich zuerst einmal wissen, aus welchen Gründen ein Avatar schwanger werden möchte. „Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, warum eine Schwangerschaft in SL in Erwägung gezogen wird. Viele sind gleichzeitig in RL schwanger und wollen dieses Erlebnis auch in SL transferieren.“ Andere hätten vielleicht einen unerfüllten Kinderwunsch im richtigen Leben und möchten diese Erfahrung einfach in SL nachempfinden. Heisst dies, dass die Familie in SL auf dem Vormarsch ist? Fertig mit dem Ego-Avataren-Leben?

So wird in einer anderen SL-Klinik auf das Angebot hingewiesen:„One if the most exciting and intimate aspects of pregnancy in SL is the conception. This allows your partner to actively participate in the process, to feel more involved, to share in the experience, and provides lots of opportunities for RP. There is the tension of approaching ovulation and the added intimacy, giving, and love of being together during your fertile time. And then the drama and tension of waiting to see if it took or you will be experiencing it all again the next month. Lots of opportunities for love and sharing.“

Eine virtuelle Schwangerschaft wird so real wie möglich konstruiert: So gibt es periodische Ultraschall-Untersuchungen, Schwangerschafts-Gymnastik, Umstandsmode und Beratungskurse für werdende Mütter und Väter. Der Bauch wächst Woche für Woche (dank Scripting-Technologie kein Problem). Die Schwangeren können zwischen Gebärstuhl oder Wassergeburt auswählen. Mit dabei sind immer ein Arzt und eine Hebamme. Komplikationen sind ausgeschlossen. Und natürlich kann zwischen verschiedenen Baby-Prototypen und Sprachvarianten ausgewählt werden. „Get your custommade baby!“ könnte also über einer solchen Kinderklinik stehen. Und ganz gratis ist der Baby-Spass übrigens auch nicht. So muss man um die 6‘000.- L$ für ein Komplettpaket (Schwangerschaft, Untersuchungen, Baby) hinblättern, je nach individuellen Wünschen.

Übrigens: In Second Life können auch Männer problemlos schwanger werden. So hat die Kinderklinik Klapperstorch schon zwei Männern zu ihrem Glück verholfen. Natürlich per Kaiserschnitt.

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